Die Ausbildung zum Unterwasserschweißer setzt eine bestehende Berufstaucherqualifikation voraus — sie ist eine Spezialisierung, kein Einstieg ins Tauchen selbst. Zwei Normen dominieren: EN ISO 15618-1, die europäische Norm für die Prüfung von Nassschweißern, und AWS D3.6M, ihr amerikanisches Gegenstück; einige Anbieter prüfen zusätzlich nach der älteren BS 4872-1 für Kehlnähte. Man unterscheidet Nassschweißen, das direkt im Wasser stattfindet, und Trocken- bzw. hyperbares Schweißen in einer abgedichteten, gasgefüllten Kammer.
Norwegen: NYD
Die Norsk yrkesdykkerskole (NYD) bietet einen zweiwöchigen Kurs für Nass- und Trockenschweißen an. Nach eigenen Angaben wird nach „BS EN ISO 15618-1 og AWS D3.6M-10 for sveis av plate“ geprüft — also nach der Ausgabe 2010 des amerikanischen Standards, nicht der aktuellen Fassung von 2017. Der Kurs kostet laut eigener Website NOK 55.000 und setzt eine bestehende, zertifizierte Berufstaucherqualifikation sowie eine gültige taucherärztliche Bescheinigung voraus.
Vereinigtes Königreich: Weldcraft-Pro
Weldcraft-Pro mit Sitz in Großbritannien bietet einen intensiven, rund 80-stündigen Zweiwochenkurs für qualifizierte oder erfahrene Berufstaucher an, mit oder ohne Vorerfahrung im Schweißen. Zertifiziert wird laut eigener Kursbeschreibung nach „BSEN ISO 15618-1:2016/AWS D3.6M-2017, or BS 4872-1:1982 for fillet welds on plate“. Der Kurs läuft über ein Netzwerk lizenzierter Partnerzentren, unter anderem in Griechenland/Zypern, Belgien, Schweden und Norwegen (dort unter dem Namen „Norwegian School of Commercial Diving“ — dieselbe NYD wie oben).
Deutschland: SLV Hannover
Die SLV Hannover, Teil der GSI-Schweißinstitutsgruppe, bildet unabhängig vom Weldcraft-Pro-Netzwerk zum „Unterwasser-Kehlnahtschweißer“ aus und stellt Prüfbescheinigungen nach DIN EN ISO 15618-1 aus, geprüft in einem DAkkS-akkreditierten Labor nach der Richtlinie DVS 1186 Teil 1. Der Zugang ist enger gefasst als bei den anderen Anbietern: Voraussetzung ist neben einer geprüften Berufstaucherqualifikation ein DVS-Zeugnis oder EWF-Diplom als Schweißer im Lichtbogenhandschweißen — dieser Weg richtet sich also an bereits qualifizierte Schweißer, nicht an einen ersten Schweißabschluss. Kurstermine werden „auf Anfrage“ vergeben statt in einem festen Jahresrhythmus.
Niederlande: BC-opleidingen / Hyperbaric Welding Center
Das Hyperbaric Welding Center in Enkhuizen — die gemeinsame Einrichtung von BC-opleidingen und dem niederländischen Lasinstituut — bildet in einer Tauchgrube aus, deren beweglicher Boden sich stufenlos zwischen der Wasseroberfläche und 21 Metern Tiefe einstellen lässt, ergänzt durch ein 3-Meter-Innenbecken für die ersten Ausbildungsschritte. Die Schweißerprüfungen finden unter Aufsicht der Klassifikationsgesellschaft DNV statt, die nach ISO/IEC 17024 sowohl für europäische als auch für amerikanische Normen als Zertifizierungsstelle auftritt.
Der 5-tägige Qualifizierungslehrgang richtet sich an bereits zertifizierte Berufstaucher mit Schweißerfahrung und kostet laut hyperbaricwelding.eu € 4.450 zzgl. MwSt.; wer eine frühere Qualifikation nachweisen kann und das Trockenschweißtraining überspringt, zahlt für den verkürzten 3-tägigen Kurs € 3.450 zzgl. MwSt. Für Berufstaucher ohne oder mit nur minimaler Schweißerfahrung gibt es einen 11-tägigen erweiterten Lehrgang auf Preisanfrage. Voraussetzung ist stets eine gültige Berufstaucherqualifikation (B30, B50R oder B50) und eine aktuelle Tauchtauglichkeitsuntersuchung — beide genannten Preise sind Richtpreise, den aktuellen Stand bestätigt hyperbaricwelding.eu bei der Buchung.
Zwei Schulen, die es heute nicht mehr gibt
Frankreich: Das INPP in Marseille, fast fünfzig Jahre lang Frankreichs nationales Institut für Berufstauchen, wurde am 18. Juni 2024 gerichtlich liquidiert, nach einer Zahlungseinstellung zum 15. Mai 2024. Die eigene Website ist nicht mehr erreichbar; eine Unterwasserschweißen-Ausbildung findet dort derzeit nicht statt.
Schottland: The Underwater Centre in Fort William bot früher ein breites Berufstaucherprogramm inklusive Schweißkurs an, bevor das Unternehmen im Oktober 2018 in die Insolvenz ging. Das ursprüngliche Gelände ist inzwischen unter neuer Eigentümerschaft wieder in Betrieb — Berichten zufolge als Standort für Unterwasser-Testarbeiten und (teilweise) ROV-Training, nicht als Taucher- oder Schweißerausbildung. Wer heute nach „Underwater Centre Fort William“ sucht, landet also nicht automatisch bei einer aktiven Schweißausbildung.
Normen kurz erklärt: EN ISO 15618-1 und AWS D3.6M
EN ISO 15618-1 ist die europäische Norm für die Prüfung von Schweißern für das Unterwasser-Nassschweißen; AWS D3.6M ist das amerikanische Pendant mit den Schweißklassen A, B und O. Beide prüfen dieselbe Fähigkeit — dass ein Taucher-Schweißer unter Wasser normgerechte Nähte herstellt —, stammen aber aus unterschiedlichen Systemen. Die Prüftiefe ist bei beiden Normen eine wesentliche Variable: Ihre Qualifikation gilt für den Tiefenbereich, in dem Sie tatsächlich geprüft wurden, nicht für „Unterwasserschweißen“ allgemein.
Diese Personenqualifikation ist etwas anderes als eine Schweißverfahrensprüfung oder eine Pipeline-Freigabe: Eine reale Baustelle, etwa an einer Pipeline, braucht zusätzlich ein geprüftes Schweißverfahren und häufig die Abnahme durch eine Klassifikationsgesellschaft. Kein Ausbildungsanbieter kann Sie mit einem Kurs allein „pipeline-zertifizieren“ — das ist ein mehrschichtiges System, kein einzelnes Zertifikat.

